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Handlungsfeld 1 · Aktuelle Daten

Ausbildungsmarkt und Ausbildungsmarketing

Wer den Ausbildungsbedarf begründen und Nachwuchs gewinnen will, braucht belastbare Zahlen. Diese Seite bündelt die aktuelle Ausbildungsmarktbilanz aus dem BIBB-Datenreport 2026 (Berichtsjahr 2024/25) und die Ergebnisse der Ausbilder:innenbefragung des NETZWERK Q 4.0 mit 631 Teilnehmenden.

Ausbildungsmarktbilanz 2025

Stichtag 30. September 2025, Quelle: BIBB-Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026, Kapitel A1.

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge

476.000

−10.300 (−2,1 %) zum Vorjahr

Gegenüber 2019 (vor der Pandemie) 49.100 Verträge weniger (−9,3 %). Betriebliche Verträge: 461.000 (−2,5 %), außerbetriebliche: 15.000 (+12,4 %).

Ausbildungsplatzangebot

530.300

−25.300 (−4,6 %) zum Vorjahr

Betriebliches Angebot: 515.300 Plätze, also 27.000 (−5,0 %) weniger als im Vorjahr. Stärkerer Rückgang gab es seit 2009 nur im ersten Coronajahr.

Ausbildungsplatznachfrage

560.300

+3.700 (+0,7 %) zum Vorjahr

Dritter Anstieg in Folge, aber weiterhin 38.500 (−6,4 %) unter dem Wert von 2019 (598.800).

Erweiterte Angebots-Nachfrage-Relation (eANR)

94,7

2024: 99,8

Auf 100 Nachfragende entfallen rechnerisch nur noch 94,7 Angebote. Die Marktlage hat sich aus Sicht der Jugendlichen verschlechtert.

Einmündungsquote Ausbildungsinteressierter (EQI)

65,3

2024: 67,6

Anteil der institutionell erfassten Ausbildungsinteressierten, die tatsächlich in eine duale Ausbildung einmünden.

Unversorgte Bewerber/-innen

39.900

+8.700 (+28,0 %) zum Vorjahr

Höchststand seit 2007. Zusammen mit Bewerber/-innen mit Alternative und weiterem Vermittlungswunsch (44.500) suchten 84.400 Jugendliche noch einen Platz.

Unbesetzte Ausbildungsstellen

54.400

−15.000 (−21,6 %) zum Vorjahr

Anteil am betrieblichen Angebot: 10,6 % (2024: 12,8 %). Gleichzeitig stieg der Anteil erfolgloser Nachfrage auf 15,1 % (2024: 12,6 %).

Passungsprobleme verstehen

  • Berufliche Passungsprobleme: gesuchte und angebotene Berufe passen nicht zusammen.
  • Regionale Passungsprobleme: freie Stellen und suchende Jugendliche liegen in verschiedenen Regionen.
  • Eignungsbezogene Passungsprobleme: Betriebe und Bewerber/-innen bewerten die Eignung unterschiedlich.
  • Bildungspolitisches Spannungsverhältnis: Ein auswahlfähiges Angebot für Jugendliche und eine hohe Besetzungsquote der Betriebe sind rechnerisch nicht gleichzeitig erreichbar.

Ausblick 2026

  • Laut PROSIMA-Prognose des BIBB sinkt das Ausbildungsangebot 2026 voraussichtlich weiter.
  • Auch die Nachfrage wird voraussichtlich zurückgehen.
  • Die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge könnte erneut niedriger ausfallen als im Vorjahr.
  • Schwerpunktthema des Datenreports 2026: Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung.

Sechs Phasen im Ausbildungsjahr

Ergebnisse der Ausbilder:innenbefragung des NETZWERK Q 4.0 (631 Teilnehmende, Erhebung 29.10.2025 – 30.01.2026). Prozentwerte geben den Anteil der Befragten an, die eine Maßnahme als (sehr) erfolgreich bewerten.

1

Aufmerksamkeit & Interesse wecken

ganzjährig, Schwerpunkt Herbst/Winter

Persönlicher Kontakt schlägt Hochglanzmaterial: Praktika, Schulkooperationen und Ausbildungsbotschafter wirken am stärksten.

  • Praktika: 94 % nutzen sie, 86 % bewerten sie als erfolgreich – Spitzenreiter.
  • Schulkooperationen: 61 % erfolgreich, aber 23 % nutzen sie gar nicht.
  • Ausbildungs- und Karrieremessen: 64 % erfolgreich, breite Nutzung.
  • Schulbesuche: 57 % erfolgreich, ein Viertel der Betriebe nutzt sie nicht.
  • Social Media: 54 % erfolgreich, hoher Aufwand, Wirkung schwer messbar.
  • Informationsmaterial: nur 38 % erfolgreich – schwächste Maßnahme.
2

Bewerbungsphase

Herbst bis Frühjahr

Im Schnitt setzen Betriebe 3,6 Maßnahmen ein. Sichtbarkeit online und niedrige Hürden entscheiden.

  • Online-Stellenausschreibungen: 94 % nutzen sie, 83 % erfolgreich.
  • Eigene Karriereseite: 74 % erfolgreich.
  • Einfache Bewerbungsverfahren: 37 % erfolgreich, aber 53 % haben sie nicht.
  • Niedrigschwellige Kontaktaufnahme: 61 % bieten sie gar nicht an – großes Potenzial.
  • Zeitungsanzeigen / Schwarze Bretter: 43 % (eher) nicht erfolgreich.
3

Preboarding

Vertragsunterzeichnung bis Ausbildungsbeginn

Die Zeit zwischen Zusage und erstem Tag entscheidet über Vertragsauflösungen vor Ausbildungsbeginn: Kontakt halten, einladen, Ansprechperson benennen.

  • Regelmäßiger Kontakt: Wirksamstes Mittel gegen Absprünge.
  • Kennenlerntage und Einladungen zu Events: Bindung entsteht über Menschen, nicht über Papier.
  • Feste Ansprechperson vor Beginn: Senkt Unsicherheit bei Jugendlichen deutlich.
4

Einstieg & Onboarding

erste Wochen (§ 20 BBiG Probezeit)

Strukturierte Einführung, Pat:innen und klare Erwartungsklärung senken Abbruchquoten in der Probezeit.

  • Einführungswoche / Einführungstage: Weit verbreitet und überwiegend erfolgreich.
  • Patenschaften durch ältere Azubis: Hohe Wirkung bei geringen Kosten.
  • Erwartungen klären: Beidseitige Erwartungsklärung vermeidet frühe Enttäuschungen.
5

Begleiten & entwickeln

gesamte Ausbildungszeit

Regelmäßiges Feedback, Lernortkooperation und individuelle Förderung tragen die Ausbildung – genau das Feld der AEVO-Handlungsfelder 3 und 4.

  • Regelmäßige Feedback- und Beurteilungsgespräche: Kernmaßnahme erfolgreicher Betriebe.
  • Individuelle Förderung bei Lernschwierigkeiten: Wichtigster Wunsch bei heterogenen Azubis.
  • Kontakt zur Berufsschule: Lernortkooperation wird noch zu selten systematisch gepflegt.
6

Perspektiven aufzeigen & binden

letztes Ausbildungsjahr

Übernahmeperspektive und Weiterbildungswege früh benennen – sonst geht die investierte Qualifizierung verloren.

  • Frühzeitige Übernahmezusage: Stärkster Bindungsfaktor.
  • Fort- und Weiterbildungsperspektiven: Bachelor/Master Professional als Argument nutzen.
  • Verantwortungsvolle Aufgaben: Bindung entsteht über erlebte Selbstwirksamkeit.

Was Ausbilderinnen und Ausbilder berichten

Heterogenität ist die größte Herausforderung

Unterschiedliche Vorkenntnisse, Sprachniveaus und Motivationslagen bewerten die Befragten als (sehr) herausfordernd. Der wichtigste Unterstützungswunsch ist der Ausbau der eigenen pädagogischen Kompetenzen.

KI wird bisher selten intensiv genutzt

Der KI-Einsatz in der Ausbildung ist überwiegend punktuell. Gleichzeitig ist KI das Schwerpunktthema des BIBB-Datenreports 2026 – Kompetenzaufbau beim Ausbildungspersonal ist die zentrale Aufgabe (vgl. Art. 4 KI-VO).

Ausbilder:innen sind in allen Phasen beteiligt

Von der Nachwuchsgewinnung bis zur Übernahme sind Ausbilderinnen und Ausbilder haupt- oder mitverantwortlich. Ausbilden ist weit mehr als Lernbegleitung.

Wertschätzung ja, Ressourcen teilweise knapp

Die Befragten erleben viel Freiraum, hohe Motivation und Anerkennung – aber begrenzte Zeit und Ressourcen. Ausbildung braucht Sichtbarkeit und Ausstattung im ganzen Unternehmen.

KI im Ausbildungsmarketing

Zwischen Hype und gelebtem Alltag – nach Dr. Christoph Andre Metzler (IW Köln / NETZWERK Q, 16.09.2026).

Prompt-Formel: Hintergrund – Aktion – Bedingungen

Hintergrund

Warum soll etwas getan werden?

Offene Ausbildungsstellen zum Mechatroniker (m/w/d) bei der Metropol GmbH für 2026 – bisher bewerben sich kaum junge Frauen.

Aktion

Was soll getan werden?

Schreibe einen Facebook-Beitrag, der Lust auf die Ausbildung macht.

Bedingungen

Wie soll es getan werden?

Sprich gezielt junge Frauen an, ohne Klischees. Du-Form, freundlich, motivierend. Technikinteresse ist wichtiger als Vorerfahrung.

Prompts erweitern

  • Inhalt konkreter machen: „Baue drei konkrete Beispiele ein, was Azubis bei uns lernen und erleben.“
  • Varianten erzeugen: „Erstelle drei Varianten des Beitrags: sachlich, locker und emotional.“
  • Zielgruppe erweitern: „Übersetze den Beitrag ins Ukrainische – natürlich und einladend, nicht wörtlich.“
  • KI fragen lassen: „Frage mich zuerst nach allen Informationen, die du für den Instagram-Post benötigst.“

Anwendungsfälle

Stellenanzeigen & Social-Media-Posts

Texte für Facebook oder Instagram zielgruppengerecht formulieren und in Varianten testen. Social Media ist für junge Menschen ein zentraler Kanal bei der Ausbildungssuche (Arndt, Herzer & Risius 2025).

Bildcollagen „früher – heute“

Beispiel Schornsteinfeger/in: Traditionelles und modernes Berufsbild gegenüberstellen, um Klischees aufzubrechen. Präzise Vorgaben zu Pose, Farbe, Format; keine Schrift, keine Logos.

Employer-Branding-Song

KI führt mit drei Fragen durch Unternehmen, Botschaft und Musikstil, schreibt Songtext mit Hook und einen Style-Prompt, z. B. für Suno. Regel: konkrete Azubi-Tätigkeiten statt Floskeln, keine erfundenen Informationen.

Vorsicht Bias: KI-Ergebnisse immer prüfen

Gender-Bias in Bild-KI

Bei „powerful people“ zeigten sechs KI-Tools im Schnitt nur 12 % Frauen, bei „successful people“ 20 %, bei „beautiful people“ 59 % (Gengler 2024).

Behinderungs-Bias im Bewerbungsscreening

ChatGPT bevorzugte oft Lebensläufe ohne Hinweise auf Behinderung, besonders bei Autismus, Depression und Gehörlosigkeit. System-Prompts verbessern die Ergebnisse (Glazko et al. 2024).

KI-generierte Bilder, Videos und Songs im Marketing müssen nach der EU-KI-Verordnung gekennzeichnet werden – Details auf der Seite KI in der Ausbildung.

Prüfungsbezug

In Handlungsfeld 1 wirst du gefragt, warum ein Betrieb ausbildet, wie Ausbildungsbedarf ermittelt wird und mit welchen Maßnahmen Nachwuchs gewonnen wird. Aktuelle Zahlen sind kein Auswendiglernstoff, aber starke Argumente: sinkendes Angebot, steigende Zahl unversorgter Bewerber/-innen und wachsende Passungsprobleme begründen Ausbildungsmarketing und Bindung.

Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026, Bonn 2026 (CC BY-SA 4.0). NETZWERK Q 4.0 / Institut der deutschen Wirtschaft: Ausbilder:innenbefragung, Kickoff der Eventreihe „Mit NETZWERK Q durch das Ausbildungsjahr“, 16.09.2026.