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Praktische AEVO-Prüfung im Detail

Anforderungen an Unterweisungsentwurf, Durchführung bzw. Präsentation und Fachgespräch – aufbereitet nach der IHK-Handreichung zur Prüfung nach der Ausbilder-Eignungsverordnung (Ausgabe 14, Stand Dezember 2025).

So formulierst du das Lernziel: vom Ausbildungsrahmenplan zum Feinlernziel

Der Weg ist eine Übersetzung vom Ausbildungsrahmenplan in beobachtbares Verhalten.

  1. Richtlernziel – die große Richtung. Beispiel: „Kundenorientierte Kommunikation“.
  2. Groblernziel – meist aus dem Ausbildungsrahmenplan übernommen. Im Entwurf wird das Thema aus dem Ausbildungsrahmenplan als Grobziel angegeben. Beispiel: „Kunden situationsgerecht informieren und beraten“.
  3. Feinlernziel – konkret und prüfbar: Was soll die/der Auszubildende nach genau dieser Unterweisung können? Es beschreibt das Verhalten nach dem Lernprozess, wahrnehmbar und überprüfbar.
  4. Lernerfolgskontrolle – Woran erkenne ich, dass das Feinlernziel erreicht wurde?

Formel für das Feinlernziel

Inhalt + Verhalten + Bedingung + Beurteilungsmaßstab

„Der Auszubildende kann nach der Unterweisung ein telefonisches Kundengespräch anhand des betrieblichen Gesprächsleitfadens selbstständig, vollständig und unter Einhaltung der vereinbarten Servicestandards durchführen.“

Inhalttelefonisches Kundengespräch
Verhaltendurchführen
Bedingunganhand des betrieblichen Gesprächsleitfadens
Beurteilungsmaßstabselbstständig, vollständig, nach Servicestandards

Damit lässt sich hinterher prüfen: Kann sie/er es – oder noch nicht?

Vier Denkfragen

  1. Was steht im Ausbildungsrahmenplan? (Ausgangspunkt)
  2. Welche konkrete berufliche Tätigkeit steckt dahinter? (raus aus der Verordnung, rein in den Betriebsalltag)
  3. Was soll die/der Auszubildende anschließend sichtbar tun können? (beobachtbares Verb)
  4. Woran erkenne ich gute Leistung? (Beurteilungsmaßstab)

Das passt zur AEVO: In Handlungsfeld 3 werden aus dem betrieblichen Ausbildungsplan und berufstypischen Arbeits- und Geschäftsprozessen konkrete Lern- und Arbeitsaufgaben entwickelt.

Verben

Gut: durchführen, erstellen, auswählen, erklären, zuordnen, prüfen, montieren, ausfüllen, berechnen, vergleichen, dokumentieren, kontrollieren, präsentieren

Schwierig: kennen, wissen, verstehen, kennenlernen – „verstehen“ lässt sich kaum beobachten.

Statt „Der Auszubildende versteht die Rechnungserstellung“ besser: „Der Auszubildende kann eine Kundenrechnung anhand der vorliegenden Auftragsdaten selbstständig und fehlerfrei erstellen.“

Merkhilfe

Richtlernziel → Groblernziel → betriebliche Situation → beobachtbare Handlung → Qualitätsmaßstab → Feinlernziel

Was soll sie/er tun können, womit, wie selbstständig und wie gut?

Beispiel komplett

  • Richtlernziel: Kundenorientierung
  • Groblernziel: Kunden beraten und informieren
  • Betriebliche Situation: Ein Kunde meldet telefonisch eine technische Störung.
  • Feinlernziel: Der Auszubildende kann nach der Unterweisung eine telefonische Störungsmeldung mithilfe des betrieblichen Ticketsystems selbstständig, vollständig und gemäß den festgelegten Servicestandards aufnehmen.
  • Lernerfolgskontrolle: Der Auszubildende bearbeitet einen neuen Beispielfall selbstständig.

Das Feinlernziel entsteht aus dem Groblernziel durch Konkretisierung auf eine einzelne, beobachtbare berufliche Handlung.

Gesamtdauer

max. 30 Min.

15 Min. Praxis + 15 Min. Fachgespräch

Gewichtung

50 / 50

Durchführung/Präsentation & Fachgespräch

Punkte

100

mind. 50 Punkte zum Bestehen

Auszubildende

1 – 3

Rollenübernahme möglich

Zwei Wege: Durchführung oder Präsentation

Nach § 4 Abs. 3 AEVO besteht die praktische Prüfung aus der Präsentation einer Ausbildungssituation und einem Fachgespräch. Anstelle der Präsentation kann eine praktische Ausbildungssituation durchgeführt werden.

  • Durchführung: reale Ausbildungseinheit mit „Auszubildenden“, Aktivität des Ausbilders muss erkennbar und bewertbar sein.
  • Präsentation: zusätzlich zeitliche Gliederung darstellen; ein Vortrag ohne visuelle Hilfsmittel (Flipchart, Pinnwand, Objektkamera, Laptop) erfüllt die Kriterien nicht. Ein Laptop wird von der IHK nicht gestellt.

Mögliche Ausbildungssituationen

  • Gespräch über konkretes Fehlverhalten (Kritikgespräch)
  • Einweisung von Ausbildungsbeauftragten
  • Abstimmung eines gemeinsamen Projekts mit der Berufsschule
  • Einführung eines neuen Ausbildungsberufs im Betrieb
  • Auswahl einer betrieblichen Aufgabe als Lernprojekt
  • Planung einer Ausbildungsreihe
  • Beurteilungsgespräch mit dem/der Auszubildenden
  • Ausbildungseinheit (klassischer Fall)

Isolierte Handlungen (z. B. bloßes Ausfüllen eines Formulars) sind ungeeignet – gefragt ist eine berufliche Handlungssituation mit Berufsbezug, Sinn- und Problemgehalt.

Aufbau des Unterweisungsentwurfs

  1. Allgemeine Angaben: Name, Ausbildungsberuf, Thema und Themeneinordnung (Auszug aus der Ausbildungsordnung beifügen), Anzahl der Auszubildenden, Ausbildungsstand (Monat des Ausbildungsjahres), Lernort, Zeitdauer (max. 15 Minuten)
  2. Kurzanalyse der Lerngruppe und der Lernvoraussetzungen
  3. Didaktische Entscheidungen / Einordnung der Stoffauswahl (vorherige und nachfolgende Unterweisung)
  4. Handlungskompetenz: Fach-, Methoden-, Sozial- und Personalkompetenz mit Begründung
  5. Methodische Entscheidungen / Methodenwahl mit Begründung
  6. Motivation und Problembewusstsein
  7. Sicherung des Lernerfolgs / Lernerfolgskontrolle
  8. Planungsskizze: lfd. Nr. · Phasen und Inhalte · Unterweisungsmethoden · Medien/Ausbildungsmittel

Der Entwurf kann digital eingereicht werden. Auf dem Deckblatt stehen Prüfungsdatum, Name, Geburtsdatum, Art der Prüfung (Durchführung/Präsentation), Thema und die unterschriebene Erklärung der eigenständigen Erstellung.

Methodenwahl begründen? Ablauf, Eignung, Vorteile und Grenzen jeder Ausbildungsmethode:Zu den Ausbildungsmethoden

Fachgespräch – typische Fragerichtungen

  • Phasen der Unterweisung
  • Strukturierung bzw. Ablauf
  • Gestaltung von Medien und Arbeitsmitteln
  • Adressatenanalyse
  • Didaktische Entscheidungen
  • Methodische Entscheidungen
  • Handlungskompetenzen
  • Motivation
  • Themenwahl / Ausbildungssituation
  • Rechtliche Rahmenbedingungen
  • Berufs- und Arbeitspädagogik

Bewertet werden außerdem Selbsteinschätzung/Reflexion, der Umgang mit Hinweisen und Einwendungen sowie das Gesamtverhalten.

Handlungsorientiert unterweisen

Die Ausbildungseinheit muss mit einer konkreten betrieblichen Handlungssituation verbunden sein: Welche Kompetenzen sind nötig, um den Anforderungen einer Arbeitssituation oder eines Arbeitsplatzes gerecht zu werden? Leitende Fragen bei der Konstruktion:

  • Gibt es einen direkten Berufs- bzw. Arbeitsbezug dieser Handlung?
  • Lässt die Situation einen Sinn- bzw. Anforderungscharakter erkennen, der stabile Lernmotivation erzeugt?
  • Enthält die Situation einen Problemgehalt für den/die Auszubildende(n)?

Das Thema muss sich schlüssig aus dem betrieblichen Ausbildungsplan bzw. dem Ausbildungsrahmenplan ableiten lassen. Die Unterweisung ist in der Vernetzung von Fach-, Methoden-, Sozial- und Personalkompetenz darzustellen – mit konkretem Bezug zur Lernsituation.

Beispiele beruflicher Handlungssituationen

  • Kundenaufträge bearbeiten (z. B. eine spezielle Elektroinstallation)
  • Meldungen der Qualitätskontrolle bearbeiten (z. B. zu hohe Ausschussraten)
  • Kundenanfragen bearbeiten (Rückruf, Antwortschreiben, technische Information)
  • Brandschutzauflagen umsetzen
  • Kundenreklamation bearbeiten
  • Schadensersatzforderungen bearbeiten
  • Möglichkeit eigener Reparaturarbeiten abwägen
  • Arbeitsabläufe optimieren (z. B. Bildung von Teams)

Motivation: intrinsisch und extrinsisch

Motivation heißt, während des gesamten Lernvorgangs eine positive Lernhaltung zu schaffen: Interesse wecken, begeistern, vorhandenes Interesse entdecken und fördern.

  • Intrinsisch: Der Grund liegt in der Handlung selbst – der fertige Kerzenständer nach dem Montieren, die nutzbare Excel-Tabelle nach der Berechnung. Führt in der Regel zu besseren Lernergebnissen.
  • Extrinsisch: Lernen wegen positiver Folgen oder zur Vermeidung negativer Konsequenzen – Anerkennung, Belohnung, Bestehen der Abschlussprüfung.

Die Phase der Motivation darf in keiner Unterweisung fehlen – zu Beginn und im Verlauf.

Methodenwahl & Lernerfolgssicherung

  • Adressatenbezug, Lerntempo und Ausgangssituation beachten: Fördert die Methode Selbstständigkeit und Eigenaktivität? Ein Methodenwechsel kann wesentlich beitragen.
  • Auch in 15 Minuten sind komplexere Methoden (oder Teile davon) möglich – Leittext-, Projekt-, Fallmethode, Rollenspiel, Beobachtung.
  • Die Aktivität des Ausbilders muss erkennbar und bewertbar sein.
  • Jede Lerneinheit braucht eine Sicherung des Lernerfolgs als Rückmeldung darüber, ob das Ziel erreicht wurde.
Alle Methoden mit Ablauf, Eignung und Grenzen:Zu den Ausbildungsmethoden

Andere Ausbildungssituationen: Gliederung

Wird statt der Ausbildungseinheit eine andere Ausbildungssituation gewählt (z. B. Kritikgespräch, Einweisung von Ausbildungsbeauftragten), dienen diese Punkte als Orientierung für Planung und Durchführung:

  1. Allgemeine Angaben: Name, Thema, Adressatenkreis, Veranstaltungsort, Zeitdauer (max. 15 Minuten)
  2. Beschreibung und Charakterisierung der Ausgangssituation (z. B. Einrichtung eines neuen Ausbildungsgangs, Kritikgespräch)
  3. Beschreibung und Analyse der Aufgaben- bzw. Problemstellung
  4. Zielformulierung (zu vermittelnde Qualifikation, Erwartungen, Gesprächsziel, angestrebte Ergebnisse)
  5. Didaktische Entscheidungen
  6. Methodische Entscheidungen
  7. Lösungsalternative mit Begründung (Erläuterung der eigenen Lösung)

Beurteilungsbogen: Durchführung

  • 5Eröffnung (Begrüßung, Zeitrahmen)
  • 40Durchführung: Ziel, Adressatenbezug, Phasen, Übung/Transfer, Themeneinordnung, Arbeitssicherheit, Didaktik/Methodik, Handlungskompetenz, Motivation, Lern- und Arbeitsmittel, Lernerfolgskontrolle, Führungsverhalten, Medien
  • 5Gesamtverhalten (Mimik, Gestik, Blickkontakt, freies Sprechen)
  • 50Fachgespräch (Reflexion, Umgang mit Einwänden, Fachfragen)

Beurteilungsbogen: Präsentation

  • 5Eröffnung (Begrüßung, Thema & Ziel, Zeitrahmen)
  • 15Ausgangssituation (Betrieb, Ausbildungsordnung, Adressatenanalyse, Rahmenbedingungen, didaktisch-methodische Entscheidungen, Kompetenzzuwachs)
  • 20Darstellung des Ablaufs (Phasen, Ausbilder-/Azubi-Verhalten, Motivation, Aktivierung, Kommunikation, Lernmittel, Lernerfolgssicherung)
  • 5Medieneinsatz (Aufbau, Layout, Anschaulichkeit, Strukturierung)
  • 5Gesamtverhalten
  • 50Fachgespräch

Bewertungsschlüssel (Punkte / Note)

100 – 92sehr gut
91 – 81gut
80 – 67befriedigend
66 – 50ausreichend
49 – 30mangelhaft
29 – 0ungenügend

Wiederholungsprüfung (§ 26 Prüfungsordnung)

  • Nicht bestandene Prüfungen und Prüfungsteile können zweimal wiederholt werden.
  • Es gilt jeweils das in der Wiederholungsprüfung erzielte Ergebnis.
  • Ein bestandener (mindestens ausreichender) selbstständiger Prüfungsteil muss auf Antrag nicht wiederholt werden, wenn die Anmeldung innerhalb von zwei Jahren erfolgt.
  • Ein nicht bestandener schriftlicher Teil (49 Punkte oder weniger) wird schriftlich wiederholt – eine mündliche Ergänzungsprüfung ist nicht möglich.
  • Wiederholung frühestens zum nächsten Prüfungstermin.

Quelle: „Handreichung zur Prüfung nach der Ausbilder-Eignungsverordnung“, IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, Ausgabe 14, Stand Dezember 2025. Die Bewertungskriterien und ihre Gewichtung sind ein Vorschlag des Prüfungsausschusses; Details können je nach Kammer abweichen.