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Handlungsfeld 3 · Thema 3.5

Auszubildende bei Lernschwierigkeiten unterstützen und Lernberatung anbieten

Ausbilder erkennen Lernschwierigkeiten früh, beraten individuell und leiten passende Fördermaßnahmen ein.

Lernschwierigkeiten gefährden den Ausbildungserfolg, sind aber oft lösbar, wenn Ausbilder frühzeitig beobachten, Ursachen klären und strukturiert unterstützen. Ziel ist nicht „Nachhilfe nebenbei“, sondern eine lernförderliche, individuelle Begleitung bis zur beruflichen Handlungsfähigkeit.

Kernpunkte

• Lernschwierigkeiten erkennen: Hinweise sind z. B. wiederholt schlechte Berufsschulnoten, Fehlerhäufung, langsames Arbeitstempo, fehlende Motivation, Prüfungsangst, häufige Fehlzeiten oder Probleme im Berichtsheft. Wichtig ist eine sachliche Beobachtung über einen Zeitraum.

• Ursachen analysieren: Mögliche Gründe liegen in Wissenslücken, ungeeigneten Lernmethoden, Sprachproblemen, privaten Belastungen, Über- oder Unterforderung, Konflikten im Betrieb, gesundheitlichen Einschränkungen oder mangelnder Ausbildungsstruktur.

• Lernberatung führen: Das Gespräch sollte wertschätzend, vertraulich und lösungsorientiert sein. Geeignet sind offene Fragen, aktives Zuhören, konkrete Beispiele und gemeinsame Zielvereinbarungen. Vorwürfe oder pauschale Bewertungen vermeiden.

• Individuelle Förderung planen: Maßnahmen können sein: Lernziele kleinschrittiger formulieren, Ausbildungsinhalte wiederholen, zusätzliche Übungsaufgaben geben, Lerntandems bilden, Medien wechseln, Lernzeiten vereinbaren oder Prüfungssituationen simulieren.

• Betrieblichen Ausbildungsplan nutzen: Abweichungen vom Lernstand werden mit dem Ausbildungsrahmenplan und dem betrieblichen Ausbildungsplan abgeglichen. Daraus entstehen konkrete Förderziele mit Termin, Verantwortlichen und Kontrolle.

• Berufsschule einbeziehen: Mit Einverständnis des Auszubildenden können Ausbilder den Kontakt zu Lehrkräften suchen, um Leistungsstand, Fehlzeiten und Förderbedarf abzustimmen.

• Externe Hilfen prüfen: Bei anhaltenden Schwierigkeiten kommen Unterstützungsangebote der Agentur für Arbeit, Kammern, Bildungsdienstleister oder sozialpädagogische Begleitung in Betracht. Auch Nachteilsausgleich bei Prüfungen kann bei Behinderung oder Beeinträchtigung relevant sein.

• Ausbildungsdauer prüfen: Wenn das Ausbildungsziel trotz Förderung gefährdet ist, kann eine Verlängerung der Ausbildungszeit beantragt werden. Bei guten Fortschritten ist später auch wieder eine Stabilisierung ohne Verlängerung möglich.

• Dokumentieren: Beobachtungen, Gespräche, vereinbarte Maßnahmen und Ergebnisse sollten nachvollziehbar dokumentiert werden. Das schützt Auszubildende und Betrieb und hilft in der Prüfungsvorbereitung.

Rechtsgrundlagen

• AEVO § 3 Abs. 3 Nr. 5: Ausbilder müssen Auszubildende bei Lernschwierigkeiten durch individuelle Gestaltung der Ausbildung und Lernberatung unterstützen, bei Bedarf Hilfen einsetzen und eine Verlängerung prüfen.

• BBiG § 14 Abs. 1: Ausbildende müssen dafür sorgen, dass die berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt wird und die Ausbildung planmäßig durchgeführt wird.

• BBiG § 13: Auszubildende müssen sich bemühen, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erwerben, Weisungen befolgen und an Ausbildungsmaßnahmen teilnehmen.

• BBiG § 8 Abs. 2: Die zuständige Stelle kann auf Antrag die Ausbildungsdauer verlängern, wenn dies erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen.

• JArbSchG § 9: Jugendliche sind für den Berufsschulunterricht freizustellen; dies ist auch für die Lernförderung wichtig.

• BetrVG § 70 Abs. 1 Nr. 1: Die Jugend- und Auszubildendenvertretung kann Maßnahmen beantragen, die Auszubildenden dienen.

Prüfungstipp

In der AEVO-Prüfung immer systematisch antworten: Lernproblem beobachten, Ursache klären, Beratungsgespräch führen, Fördermaßnahmen vereinbaren, externe Hilfen prüfen, Erfolg kontrollieren und alles dokumentieren. Wichtig ist die pädagogische Haltung: unterstützen statt bestrafen.

Wichtige Begriffe

Lernschwierigkeiten

Anhaltende Probleme beim Erwerb von Kenntnissen, Fertigkeiten oder Fähigkeiten. Sie zeigen sich z. B. durch Fehler, schlechte Leistungen oder geringe Lernmotivation.

Lernberatung

Strukturiertes Gespräch, in dem Lernstand, Ursachen und passende Lernstrategien gemeinsam geklärt werden. Ziel ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Förderplan

Konkrete Vereinbarung über Lernziele, Maßnahmen, Zuständigkeiten und Kontrolltermine. Er macht Unterstützung verbindlich und überprüfbar.

Ausbildungsbegleitende Unterstützung

Zusätzliche fachliche oder sozialpädagogische Hilfe außerhalb der regulären Ausbildung. Sie kann durch externe Stellen wie Agentur für Arbeit oder Bildungsträger erfolgen.

Verlängerung der Ausbildungsdauer

Möglichkeit, die Ausbildung bei gefährdetem Ausbildungsziel auf Antrag zu verlängern. Zuständig ist die jeweilige Kammer bzw. zuständige Stelle.

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